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100 Jahre nach dem Frauenwahlrecht

Mehr Frauen in die Parlamente

Ein Kommentar von Mona Küppers, Vizepräsidentin Mitarbeiterentwicklung/Gleichstellung

Wir feiern 100 Jahre Frauenwahlrecht. Mutige Frauen haben dafür gestritten und gekämpft. Dazu zählt nicht nur das Recht zu wählen, sondern auch das Recht gewählt zu werden. Jetzt, genau hundert Jahre später, müssen wir feststellen, dass der Frauenanteil im Deutschen Bundestag zum ersten Mal seit vielen Jahren gesunken ist. Der Anteil weiblicher Abgeordneter ist mit 30,9 Prozent niedriger als vor 20 Jahren. Auf Landes- und kommunaler Ebene sieht es nicht viel besser aus. Deshalb hat der Deutsche Frauenrat mit dem Aufruf #mehrfrauenindieparlamente eine Kampagne für Parität in der Politik gestartet. Darin werden die Parteien aufgefordert, im Rahmen von Wahlrechtsreformen sicherzustellen, dass Männer und Frauen je zur Hälfte in den Parlamenten vertreten sind – sowohl bei Listen als auch bei Direktmandaten

Foto: bilddatenbank.lsb.nrw/Andrea Bowinkelmann


In anderen Ländern gibt es längst entsprechende Regelungen in den Wahlgesetzen. Sie reichen bis zu Verfassungsänderungen, wie zum Beispiel in Frankreich. Dort stellt die Gesetzgebung sicher, dass Frauen und Männer paritätisch in allen Parlamenten vertreten sind. Und siehe da: Der Frauenanteil in diesen Ländern hat sich seitdem deutlich erhöht.

Sensibilisierung der
politischen Öffentlichkeit

Bei uns in Deutschland scheinen die Uhren anders zu ticken. Deshalb braucht es eine Sensibilisierung der politischen Öffentlichkeit, um das Thema Parität voranzubringen. Und wir müssen endlich die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Frauen sich nicht davon abhalten lassen, sich für eine politische Karriere zu entscheiden. Vor allem müssen wir damit beginnen, die strukturellen Nachteile bei der Aufstellung von Kandidaturen innerhalb der Parteien zu beseitigen. Bei allen im Deutschen Bundestag vorhandenen Parteien liegt der Männeranteil bei mehr als 60 Prozent, bei dreien gar über 75 Prozent. Wundert es uns bei diesen Zahlen, dass Frauen es nicht auf aussichtsreiche Listenplätze schaffen, geschweige denn als Direktkandidatin aufgestellt werden?

Hier sind natürlich auch die Frauen innerhalb der Parteien in der Pflicht: Denn wenn sie wollen, dass sich etwas an dieser Ungleichheit ändert, dann müssen sie fraktionsübergreifende Initiativen für Parität in den Parlamenten ergreifen. Und dann sollten sie einer Wahlrechtsreform ohne Parität nicht zustimmen.

 

Bei allen im Deutschen Bundestag vorhandenen Parteien liegt der MÄNNERANTEIL bei MEHR ALS  60 PROZENT, bei dreien gar ÜBER 75 PROZENT.

Mona Küppers

 

Die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit lässt sich auf alle gesellschaftlichen Ebenen ausweiten, auch die sportpolitische. Wir vom Landessportbund Nordrhein-Westfalen sind hier schon sehr weit vorne: Wir haben eine Quote für die ehrenamtlichen Gremien eingeführt und eine neue Gleichstellungsordnung verabschiedet. Und wir können stolz darauf sein, dass bei uns die Parität nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch gelebt wird: Das Programm „Frauen in Führung“ ist eigens entwickelt worden, damit Frauen ihre Politikfähigkeit trainieren und sich in einem Netzwerk zusammenschließen. Die Strukturen sind also vorhanden, jetzt heißt es, Gas zu geben und diese aktiv zu nutzen. Hier schließt sich der Kreis wieder: Im Sport ist es, wie in der Politik: Es geht nie nur um „Nehmen“, sondern immer auch um „Geben“. Dazu müssen wir Frauen auch bereit sein. Nur wählen können alleine reicht nicht. Wir müssen uns auch wählen lassen. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg! Denn ohne eine Geschlechterparität bleibt die Demokratie unvollendet.

 

 

Die Kampagne 
#mehrfrauenindieparlamente

Im derzeitigen Bundestag sitzen, 100 Jahre nach der Einführung des Wahlrechts für Frauen, so wenig weibliche Abgeordnete wie seit 20 Jahren nicht mehr. Auch in der Lokalpolitik sieht es nicht besser aus: Nicht einmal zehn Prozent aller Bürgermeister/-innen hierzulande sind Frauen. Deshalb hat der Deutsche Frauenrat die Kampagne #Mehrfrauenindieparlamente gestartet und verlangt: „Wir fordern die in den Parlamenten vertretenen Parteien auf, im Rahmen von Wahlrechtsreformen sicherzustellen, dass Männer und Frauen je zur Hälfte die Mandate in den Parlamenten innehaben – sowohl bei Listenmandaten als auch bei Direktmandaten.“ Ziel ist es, den nächsten Bundestag 2021 paritätisch zu wählen.


Nähere Informationen unter: 
#mehrfrauenindieparlamente

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