Erzähl doch mal!

Sie haben die ersten inklusiven Sport-Lehrgänge ins Leben gerufen, waren bei den Olympischen Spielen 1972 involviert, haben nach der Wende deutsch-deutsche Mannschaften geleitet oder waren einfach von Anfang an dabei.

Sie sind unsere Zeitzeug*innen: die Ehrenamtlichen Ü50. Ihre Geschichten und Erfahrungen erzählen sie hier auf der #SPORTEHRENAMT-Seite – schaut immer wieder rein, denn wir recherchieren das ganze Ehrenamtsjahr über.


Artikel im LSB-Magazin „Wir im Sport“, Ausgabe 03/2021


Geschichten sind am eindrücklichsten, wenn die Menschen sie selbst erzählen. Unser neuer Podcast lässt vier Ehrenamtliche zu Wort kommen, die in ihrer langen Sport-Geschichte einiges erlebt haben. Freut Euch auf vier Episoden, die wir über das ganze Jahr hinweg produzieren werden.


 

  • Zeitzeug*innen waren DABEI.
    Kleiner Aufruf mit großer Wirkung: Auf ein kurzes Schreiben hin prasseln die Geschichten von Ehrenamtlern über 50 über #SPORTEHRENAMT herein. Gut so – denn jede Geschichte ist es wert, erzählt zu werden! (Mehr zum Hintergrund)

    „Als wir im Februar die Mitgliedsorganisationen aufgerufen haben, uns Zeitzeugen zu nennen, haben wir nicht mit diesem Rücklauf gerechnet“, lacht Dr. Eva Selic. Die LSB-Vizepräsidentin für Breitensport hatte die spontane Idee zusammen mit LSB-Präsident Stefan Klett, die Basis nach Ehrenamtler*innen zu fragen, die von ihren außergewöhnlichen Erfahrungen im Sport erzählen können und wollen.

    Gemeldet haben sich sowohl Ehrenamtliche selbst oder
    wurden von ihren Mitgliedsorganisationen anerkennend nominiert.

    Eine Übungsleiterin ist dabei, die seit Jahrzehnten – und inzwischen in hohem Alter – immer noch Seepferdchen-Kurse leitet. Ein Surfer, der das Windsurfen olympisch gemacht hat. Ein Vorstand, der die erste inklusive Skifreizeit in NRW organisiert hat. „So viele Geschichten kamen herein. Und wir haben gemerkt, dass wir nicht auswählen können und das auch nicht wollen. Wir wollen jeder und jedem Einzelnen eine Bühne bieten“, so Selic.

    So entstand das Zeitzeugen-Projekt. Über die nächsten Wochen und Monate wird sich eine LSB-Redakteurin mit allen Ehrenamtler*innen unterhalten und sich ihre Geschichte erzählen lassen. Diese Geschichten werden auf der #sportehrenamt-Seite veröffentlicht – manche in Kurzform, manche etwas länger. Vier Geschichten werden mündlich aufgezeichnet: als Podcast nämlich, im Gespräch mit den Kolleg*innen der Stabsstelle Presse und unterstützt durch LSB-Präsident Stefan Klett oder LSB-Vizepräsidentin Eva Selic. Natürlich wird auch die „Wir im Sport“ berichten und vier Geschichten herausstellen. Und zuletzt werden die Storys in einem Magazin gesammelt, das zum Abschluss des Ehrenamts-Jahres JETZT ERST RECHT! erscheinen soll – garniert mit tollen Fotos von früher. „Damit wollen wir nicht nur den Menschen Respekt erweisen, die sich Jahrzehnte ihres Lebens ehrenamtlich engagiert haben, sondern auch deren wertvollen Erfahrungsschatz teilen, von dem der Sport in NRW und wir alle profitieren.“


Alexander Maucher

„Ich war ein Pionier und
bin darauf sehr stolz.“

„Als ich in den Siebzigern mit dem Staatsexamen fertig war, kam das Windsurfen auf. Der Nachbar hatte das erste Brett mit Segel in Europa gebaut. Das war die Geburtsstunde eines neuen Sports! Anfangs gab es keine Strukturen. Ich habe die Organisation im Seglerverband betrieben, bin bis ins Präsidium aufgerückt und habe in Köln einen erfolgreichen Verein gegründet.

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Alexander Maucher | Vorsitzender der Deutschen Tandemsurfer Klassenvereinigung

Fotos: Andrea Bowinkelmann, Privat (Slider)

Cordula Meisgen

„Ich bin eine von einer Million.“

„Das Ehrenamt erfüllt mich mit großer Zufriedenheit. Ich kann neben meiner Leidenschaft für Sport mein betriebswirtschaftliches Fundament einbringen, aber auch meine Liebe zu Veranstaltungen. Damit sind wir sehr erfolgreich: Alle zwei Jahre richtet unser Verein das Krefelder „Weihnachtsmärchen on Ice“ aus, eine Krefelder Institution mit 200 Kindern und Jugendlichen auf dem Eis und 8000 Zuschauern je Vorstellung.

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Cordula Meisgen | Vorsitzende Eissport-Verein Krefeld, stellv. Vorsitzende SSB Krefeld, Präsidiumsmitglied im Eissportverband NRW

Fotos: Andrea Bowinkelmann, Privat (Slider)

Eric Grützenbach

„Der Sport an sich, ob als Spieler oder als Coach, war immer meine größte Motivation.“

„Football war immer mein Traum. Darum habe ich 1980 mit Freunden den Verein gegründet. Eigentlich wollte ich nur Football spielen, musste dann aber mit 20 direkt Verantwortung auf ganz anderer Ebene übernehmen, zum Beispiel mit Ämtern kommunizieren. Unsere Sportart wurde oft nicht ernst genommen. Das war nicht immer einfach, doch zum Glück hat sich das über die Jahrzehnte geändert. Heute können wir auf die Kontinuität der Jets stolz sein, denn wir gehören zu den ältesten Footballteams in Deutschland.

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Eric Grützenbach | Präsident und Trainer beim American Football Club Troisdorf Jets

Fotos: Andrea Bowinkelmann, Slider: Privat (1-4), Marianne Hauke (6), Troisdorf Jets (5, 7)

Gerd Weißpfennig

„Wir haben unter einfachsten Bedingungen trainiert, waren aber trotzdem sehr erfolgreich!“

„1953 gab es kaum Kinder und Jugendliche im TuS Querenburg. Ich überzeugte die Eltern im Stadtteil, ihre Kinder zu uns zu schicken. Das war der Einstieg in mein Ehrenamt, das ich bis zum heutigen Tag ausübe.
Zu Anfang trainierten wir unter primitiven Bedingungen. Sie verbesserten sich, als wir 1969 mit der ganzen Abteilung dem neu gegründeten Universitätssportclub Bochum beigetreten sind. 1982 wurde ich Vorsitzender des Gesamtvereins.

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Gerd Weißpfennig | Ehrenvorsitzender und Pressewart des USC Bochum

Fotos: Andrea Bowinkelmann

Rosemarie Haczkiewicz

„Ich habe mich noch nie mit jemandem gestritten. Wenn andere Freude haben, habe ich auch Freude.“

„Vor über 50 Jahren war der SC Buschhausen ein reiner Männer-Fußballverein. Wir Frauen wollten auch etwas machen – so haben wir die Turngruppe gegründet. Daraus wurde eine ganze Gymnastikabteilung mit inzwischen rund 300 Mitgliedern. Ich leite sie immer noch, gemeinsam mit meiner Stellvertreterin, die ebenfalls Gründungsmitglied ist und so alt wie ich. Der Verein ist ein soziales Geflecht, wir kümmern uns um einander. Das hat mir immer Spaß gemacht.“

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Rosemarie Haczkiewicz | Übungsleiterin und Abteilungsleiterin der Gymnastikabteilung des SC Buschhausen 1912, Frauen- sowie Seniorenbeauftragte beim SSB Oberhausen

Fotos: Andrea Bowinkelmann, Privat (Slider Foto 1-6)

Alfred Beyer

„Ich habe mit 14 im Ehrenamt angefangen. Bald werde ich 79. Das Ehrenamt motiviert mich nach wie vor weiterzumachen, vor allem im Kinder- und Jugendbereich.“

„Wir sind der erste inklusive Sportverein in Mülheim. Vor 30 Jahren haben wir den ersten inklusiven Skilehrgang durchgeführt. Das war zu der damaligen Zeit nicht so einfach, damals war alles nur separiert. Wir haben auch als erster Verein in Mülheim ein Projekt mit der „Aktion Sorgenkind” [heute „Aktion Mensch“, Anm. d. Red.] gemacht: Daraus ist die erste behindertengerechte Turnhalle in Mülheim entstanden.“

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Alfred Beyer | Vorsitzender, Übungsleiter, Jugendwart beim Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport in Mülheim an der Ruhr.

Fotos: Privat

Michael Bienefeld

„Es ist ungeheuer wichtig, andere Menschen kennenzulernen“

„Ich habe über 50 Jahre die Lehrgänge im Sportbund Rhein-Kreis Neuss verantwortet. Wir haben viel mit den Schulen zusammengearbeitet: Zum Beispiel haben wir die Gruppenhelfer-Ausbildung in den Schulen installiert – Schulsporthelfer hieß das damals. Wir haben auch Lehrgänge für Grundschullehrerinnen und -lehrer angeboten, ÜL im Breitensport für Grundschulkinder, denn die meisten haben Sport nicht studiert. Hervorragende Leute waren dabei!

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Michael Bienefeld | Lehrgangsleiter und ehemaliger Vorstand des Sportbundes Rhein-Kreis Neuss

Fotos: Privat

Wilfried Schauerte

„Wenn man Erfolge im Ehrenamt hat, macht man auch weiter.“

„In jungen Jahren habe ich Fußball gespielt, was ich nach einer Verletzung aufgeben musste. So habe ich mich in meinem Verein ehrenamtlich engagiert, bis zur Position des Vorstandes. Wegen meines Berufes als Leiter des Amtes für Schule und Kultur der Stadt Attendorn musste ich dies aufgeben. Doch als Amtsleiter wurde ich automatisch Geschäftsführer des Stadtsportverbandes Attendorn sowie Vorsitzender des Kreissportbundes Olpe.

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Wilfried Schauerte | Ehem. Vorsitzender des Kreissportbundes Olpe

Fotos: Privat

Günther Puhe

„Ehrenamt geht in jedem Alter!“

„Ich war von Kneipp immer fasziniert. Als dem Verein in den Siebzigern die Insolvenz drohte, habe ich mit einigen anderen den Verein wiederbelebt. 1991 habe ich den Vorsitz übernommen. Der Verein ist gewachsen, über die Jahrzehnte hat er eigene Räumlichkeiten angemietet und später selbst gebaut. Wir haben inzwischen 2500 Mitglieder.

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Günther Puhe | Ehrenvorsitzender Kneipp-Verein Bocholt, Vizepräsident des KSB Borken

Fotos: Privat

Heinrich Gundlach

„Ich gehe gerne und
intensiv mit Menschen um.“

„Ich bin Vorsitzender meines Vereins, war lange im Vorsitz des KSB Wesel und sowie Ratsmitglied und Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Xanten. Ich habe viele glückliche Momente erlebt: Zum Beispiel die Anerkennung der Integrationsleistungen unseres Vereins durch die „Sterne des Sports“. Oder als die Athletin, die ich trainiert habe, in einem hochspannenden Wettkampf die Deutsche Jugendmeisterschaft im Diskuswerfen gewonnen hat. Alles sehr emotionale Momente, die mein Ehrenamt ausmachen. Das Ehrenamt hat mir immer Spaß gemacht, mit allen Höhen und Tiefen.“

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Heinrich Gundlach | Heimatverein TuS Xanten, Ehrenvorsitzender KSB Wesel

Fotos: Privat

Theo Haarkötter

„Ich will Menschen animieren und helfen.“

„Ich bin 85 und habe letztes Jahr mein fünfzigstes Sportabzeichen abgelegt. Aber ich nehme auch selbst Sportabzeichen ab. Dass Menschen sich dafür interessieren, ergibt sich von selbst: Sie kommen zu mir und fragen, ob sie nicht auch mal versuchen können, das Abzeichen zu machen. Ich bin Vorbild für viele.
Von der Stadt Mülheim habe ich die Ehrenspange für 60 Jahre Ehrenamt erhalten. Ich war nicht nur Abteilungsleiter bei den Leichtathleten des SV Heißen, sondern auch im Siemens-Gesamtbetriebsrat. Geehrt wurde ich für mein Engagement im Sport sowie im Sozialen.“

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Theo Haarkötter | MSV 07 sowie SV Heißen

Fotos: Privat

Walther Lonnes

„Die Arbeit mit der Jugend war eine Herzensangelegenheit.“

„1953 habe ich begonnen Hockey zu spielen. 1964 bin ich ans Ehrenamt gekommen, als Nachfolger des damaligen Jugendwartes meines Vereins. Dann führte die Leiter aufwärts: Bezirksjugendwart, Verbandsjugendwart, Bundesjugendwart, Vizepräsident Sport im Deutschen Hockeybund, Präsident des Hockey-Verbandes. Ich war allerdings nie ein reiner Funktionär, ich stand immer mit am Spielfeldrand und hatte engen Kontakt zu den Mannschaften.

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Walther Lonnes | Ehemaliger Präsident des Westdeutschen Hockey-Verbandes, Heimatverein HTC Schwarz-Weiss Neuss

Foto: Privat

Helma Winkelhardt

„Vier Wochen nach Geburt meiner Tochter habe ich die erste Gruppe übernommen.“

„Eigentlich wollte ich mit 80 aufhören. Aber das geht jetzt nicht, nicht nach dem Lockdown! Wir freuen uns, endlich wieder Sport machen zu können. Ich leite diese Gruppe seit 40 Jahren, meine Damen und ich sind gemeinsam alt geworden. Seit 50 Jahren bin ich Übungsleiterin und habe parallel selbst auf Landesebene geturnt.

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Helma Winkelhardt | Übungsleiterin Kettwiger Sportverein 70/86, ehemalige Vorsitzende

Foto: Privat

Marlene Johanne Strenger

„Das ist mein Leben, damit bin ich geboren.“

„Ob das Ehrenamt sich verändert hat? Das kann ich gar nicht sagen, weil es für mich so selbstverständlich ist. Ich war Bezirksfrau in der Kirche, bin Übungsleiterin in meinem Verein, biete im Seniorenheim Bewegungstherapie an, gebe Kurse in der Familienbildungsstätte, bin in einer Theatergruppe und in zwei Fördervereinen aktiv. Ich brauche immer etwas Neues, ich will nicht stehen bleiben. Meine Mutter und meine Großmutter waren auch so: neugierig, kontaktfreudig, hilfsbereit.

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Marlene Johanne Strenger | Übungsleiterin Mellinghofer TV

Fotos: Privat

Herbert Holtmann

„Das Ehrenamt verändert die Person und macht die Person.“

„In unserem Haus wohnte Herta Rohde, eine Übungsleiterin im Styrumer TV. Sie hat mich mit dreieinhalb an die Hand genommen – seitdem bin ich im Verein. Ich habe mit den anderen Jugendlichen eine sehr intensive und schöne Zeit verlebt. Aus den Freundschaften sind sogar mehrere Ehen entstanden, auch meine. Vor 40 Jahren haben wir das Ehepaar-Turnen ins Leben gerufen. Auch das gibt es bis heute, mit immer noch 20 aktiven Personen. Es erfüllt mich mit einem tiefen Glücksgefühl, wenn ich an die gemeinsamen Urlaubsfreizeiten denke.

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Herbert Holtmann | Styrumer Turnverein, Vorsitzender Kaiserbergfest sowie Turnverband Rhein-Ruhr

Fotos: Privat

Günther Nülle

„Ich habe nie die Konfrontation gesucht – ich  habe immer mit den Menschen gesprochen.“

„Anfang der Sechziger bin ich in den KSCH eingetreten. 1969 habe ich meinen Übungsleiterschein gemacht und bin dadurch mit dem LSB in Kontakt gekommen. Dort erfuhren wir, dass wir die Jugendordnung anpassen und so mehr Mitspracherecht haben könnten. Plötzlich fanden wir uns zu dritt im Vorstand wieder! Wir wollten die Opposition gegen die Alten sein. Aber dann sahen wir, dass die Herausforderungen anders waren als wir vermutet hatten. Das hat uns Respekt vor der Vereinsarbeit gelehrt.

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Günther Nülle | Kanu-Segel-Club Hemer, Vorsitzender des KSB Märkischer Kreis

Foto: Privat


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